Demokratie[AN]stiftung

Einmischung in die eigenen Angelegenheiten e.V.

"Mensch, ärgert Euch nicht, lasst uns was tun!"

Arbeitslosigkeit, Schulschließungen, Überalterung - das ist die Realität in vielen ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Auch in Letschin, einer Gemeinde im Oderbruch ganz am Rande Brandenburgs. Seit Jahren leidet auch diese Region unter Abwanderung, bis zum Jahr 2020 wird die Bevölkerung noch einmal um 14 Prozent schrumpfen. Vielerorts im Osten wird geklagt, gemeckert, auf den Staat gewartet. In Letschin nicht. Hier gründete sich eine Bürgerinitiative Perspektive Letschin. Das Motto: "Was können wir tun, dass wir uns gemeinsam hier wohlfühlen?"

Wenn die Bürger selbst Einfluss nehmen auf Veränderungen, so die Grundeinsicht, dann erhöht sich die Akzeptanz dieser Veränderungen. Gemeinschaftsgefühl wird vermittelt, die Identifikation mit der Heimat gefördert. Denn wenige Dinge sind so gefährlich wie Gleichgültigkeit und Fatalismus. Gerade in Ostdeutschland stehen Rechtsextremisten wie die NPD bereit, um das Vakuum zu füllen.

Im Februar 2005 wurde ins "Haus Lichtblick",das alte Kino von Letschin, eine Gemeindekonferenz einberufen. Etwa 50 Bürgerinnen und Bürger aus fast allen Ortsteilen Letschins kamen zusammen, um gemeinsam in einer Art Zukunftswerkstatt Perspektiven zu suchen. Nach einem Blick in die Geschichte wurden - als erster Schritt - auf großen Tafeln die Probleme der Einwohner gesammelt. Da stand dann zum Beispiel: "fehlende Ausbildungsplätze", "Kinderarmut", "Altersarmut", "Müll in der Natur", "Rechtsextremismus", "fehlende Ärzte", "das Miteinander der einzelnen Ortsteile".

Dann ließen die Einwohner ihrer Phantasie freien Lauf: Alles ist möglich! Was würde ich mir wünschen? Wie sieht die ideale Zukunft Letschins aus?

Im dritten Schritt wurden dann praktikable Ideen entwickelt. So soll es in Letschin künftig ein Jugendparlament geben. Wer sich einbezogen fühlt, so die Idee, fühlt sich wohler. Perspektiven für die Jugend sollen im ländlichen Raum selbst gefunden werden. Als wichtiges Ziel der Gemeinde wurde der Erhalt der kommunalen Bibliothek formuliert. Die Räume des Letschiner Schulzentrums sollen künftig auch für andere Aktivitäten geöffnet werden. Um den Zusammenhalt der Gemeinde zu verbessern, sollen örtlichen Vereine künftig kooperieren - oder sich überhaupt erst einmal kennenlernen. So gibt es in den eingemeindeten Dörfern fünf Angel- und vier Sportvereine - seit Mai 2005 treffen sie sich nun regelmäßig zu einem "Vereinsstammtisch". Der Fremdenverkehr, der ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, wird durch eine zentrale Touristeninformation gefördert. Viele dieser Ideen sind kleine Dinge - die aber eine große Wirkung entfalten können.

Das oberste Ziel von Perspektive Letschin ist es, Eigeninitiative zu entwickeln. Die DemokratieAnStiftung unterstützt diesen emanzipativen und partizipativen Ansatz. Die Stiftung bietet Beratung an, sie gibt Geld für die Öffentlichkeitsarbeit, sie stellt überregionale Kontakte her. Letschin kann Vorbild sein für viele ländliche Gemeinden in Ostdeutschland.

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